Ex-Diesterweg-Gelände wird Denkmal und wieder Schule

von Dominique Hensel

Im Kiez gab es wohl niemanden, der sich über die Schließung der Schule und der Bibliothek in der Putbusser Straße 12 gefreut hätte. Der Bezirk war vor acht Jahren von sinkenden Schülerzahlen ausgegangen. Auch die Schilderungen der Schulleiter aus dem Kiez, die bei einer Bürgerversammlung von immer mehr Schülern und Platzproblemen berichteten, konnten die damalige Schulstadträtin Sabine Smentek nicht umstimmen. Die Schule wurde geschlossen und steht seitdem leer. Am vergangenen Donnerstag haben die Bezirksverordneten den Schulstandort schließlich wieder reaktiviert.

diesterweg2019 1Die alte Schule im November. Sie steht seit acht Jahren leer. Foto: HenselAcht Jahre nach der Schließung drängte auch die Bezirksschulverwaltung darauf, den ehemaligen Standort des Diesterweg-Gymnasiums wieder als Schule zu betreiben. Inzwischen ist mehr als deutlich, dass Schulplätze fehlen. Die alte neue Schule im Brunnenviertel soll eine Integrierte Sekundarschule werden. Verschiedene Varianten für einen Abriss des Bestandsgebäudes und einen Neubau hatten der Schul- und der Stadtentwicklungsstadtrat im Mai im Brunnenviertel vorgestellt (Diesterweg-Gelände: Ärger über plötzliche Kehrtwende).

Doch die vorgestellten Pläne des Bezirks werden nicht umgesetzt werden können. Anfang des Monats hat das Landesdenkmalamt das „Oberstufen-Schulzentrum Berlin-Wedding an der Putbusser Straße 12“ unter Denkmalschutz gestellt. Die Anlage aus Schulbau mit Bibliothek, Sporthalle und Außenanlagen entstand 1974-76 nach Plänen der Architekten Hans-Joachim Pysall, Uwe Jensen und Peter Stahrenberg. Laut Landesdenkmalamt habe die Gesamtanlage Denkmalwert aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen. Ein Abriss war damit vom Tisch.

diesterweg2019 2Das markante Gebäudeensemble steht neuerdings unter Denkmalschutz. Foto: HenselTrotz Reaktivierung des Ensembles als Schule und Denkmalschutz soll auch das im Kiez verankerte Projekt „ps wedding“ weiterhin in die Entwicklung des Geländes eingebunden werden. Auch das haben die Bezirksverordneten auf ihrer jüngsten Sitzung entschieden. Das Projekt bemüht sich seit 2012 darum, das Gebäudeensemble zu sanieren, zu ergänzen und genossenschaftliches Wohnen zu günstigen Preisen sowie ein soziokulturelles Zentrum für die Nachbarschaft zu ermöglichen. Welche Pläne „ps wedding“ unter den veränderten Rahmenbedingungen genau umsetzen kann, ist noch unklar.

Ein langwieriger Prozess mit vielen Beteiligten und Interessen ist mit dem Beschluss der Bezirksverordneten vom Donnerstag beendet worden. Klar ist: Der auffällige Bau im Brunnenviertel bleibt erhalten. Das Grundstück wird als Schulgelände reaktiviert. Das Bezirksamt soll „zusammen mit der Howoge und ’ps wedding’ ein Konzept für eine gemeinsame Entwicklung erarbeiten“, heißt es in dem Beschluss.

diesterweg2019 3Das war einst der Haupteingang des Diesterweg-Gymnasiums. Foto: Hensel