Was passiert mit dem Jahnsportpark?

Das Stadion im Jahnsportpark wurde 1952 eröffnet und ist seitdem mehrmals saniert sowie modernisiert worden. 2015 wurde die Tribüne des Stadions für marode befunden und ein Neubau angestrebt. Das gesamte Areal des Sportparks sollte in diesem Zug neu gestaltet werden.

KiezSportLotsinDie Umbaupläne sahen unter anderem vor, dass der Baumbestand gerodet und weitere Grünflächen versiegelt werden. Dagegen formierte sich bei den Anwohnern Widerstand, der 2020 einen Abriss- und Rodungsstopp erwirken konnte. Die Sportverbände und -vereine forderten daraufhin mit einer Petition die Erbauung eines Inklusionssportparks. Um den Wünschen aller Interessengruppen gerecht zu werden, wurden die Werkstattverfahren ins Leben gerufen.

Unsere KiezSportLotsin Susanne Bürger ist aktiv im Partizipationsprozess zum Jahnsportpark beteiligt. Sie hat an allen drei Werkstattverfahren, die im Laufe des Jahres 2021 stattfanden, teilgenommen. Zusammen mit anderen Akteuren aus dem Brunnenviertel- und Gleimkiez vertritt sie in der so genannten Projektgruppe die Interessen der Anwohner*innen beim Umbau des Sportparks. Sie berichtet im Interview mit dem QM über den momentanen Stand und beantwortet die am meisten gestellten Fragen.

 

 

1. Wird das neue Stadion zu groß?

Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport hat 20.000 Plätze für das neue Stadion vorgegeben. Das Jahnsportstadion war in den letzten Jahren aber nie komplett ausgelastet, deshalb stellen wir die hohe Zahl an Sitzplätzen in Frage. Aber es gibt Vorgaben von Sportverbänden, wie z. B. dem DFB, damit das Stadion für Veranstaltungen der 3. Liga tauglich ist. Im Sinne der Bürgerschaft haben wir empfohlen, die Kapazität auf 15.000 Plätze zu reduzieren, davon 20 Prozent Stehplätze. Dies würde die Größe des Stadions geringer halten.

 

2. Wohin mit den Autos?

Wie man das Verkehrsproblem lösen könnte, ist weiterhin offen. Dabei geht es nicht nur um ein Verkehrskonzept für Veranstaltungen. Wenn es mehr Sportflächen und zusätzliche Sporthallen gibt, kommen auch mehr Sportler um den Jahnsportpark zu nutzen. Mehr Eltern als zuvor werden ihre Kinder zu den Angeboten der Sportvereine begleiten. Die Befürchtung ist, dass nicht alle Nutzer zu Fuß oder mit dem Rad kommen, sondern mit dem Auto. Aber wie können Autos vor Ort parken, ohne die Anwohner zu belasten? Es gibt die Idee eine Tiefgarage zu bauen, aber noch ist nicht geklärt, ob ausreichend Geld dafür vorhanden ist. Wir würden uns das im Prinzip wünschen, damit die Flächen überirdisch anderweitig genutzt werden können.
Da der Sportpark inklusiv werden soll, muss auch eine Tiefgarage Fluchtwege für Rollstuhlfahrer vorsehen und auf dem Gelände sind Behinderten-parkplätze direkt vor den Hallen erforderlich. Die andere Option wäre ein Parkhaus, was aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß ist. Die Frage "Wo kommen die ganzen Autos hin?" ist mir zu rückwärtsgewandt. Eigentlich wäre es schön, etwas ganz Neues zu entwickeln. Dafür war in dem Verfahren bisher keine Zeit, aber es wäre definitiv ein guter Ansatz.

 

3. Bleibt die große Wiese erhalten?

Die große Wiese ist eine Fläche, die vieles ermöglicht, sie ist nicht auf bestimmte Sportarten beschränkt. Jahnsportpark02Sie wird vor allem von Menschen genutzt, die alleine oder in kleinen Gruppen einen ruhigen Sport machen, wie z.B. Tai Chi. Je nachdem, welcher Entwurf für den Jahnsportpark sich am Ende durchsetzt, kann es sein, dass die Wiese verlegt und verkleinert oder zu einer Durchgangsfläche wird. Für uns ist der Erhalt einer großen Wiese ein wichtiger Punkt, der von der Nachbarschaft im Gleimkiez und im Brunnenviertel immer wieder genannt wird.

 

4. Was wünsche ich mir?

Als KiezSportLotsin wünsche ich mir einen modellhaften Inklusionssportpark, wo sich Parasportler und alle Menschen mit Behinderungen sportlich betätigen können, und zwar nicht nur in den Sporthallen, die auf Parasport ausgerichtet sein werden, sondern vor allem auf Außenanlagen. Davon würde auch das Brunnenviertel profitieren. Alle Menschen könnten durch einen Inklusionssportpark um die Ecke leichter ermutigt werden, sportlich aktiv zu werden und zu bleiben. Mit einem Inklusionssportpark mitten in der Stadt nehmen wir Menschen mit Behinderung auch noch einmal deutlicher mit ihren Bedürfnissen wahr. Wenn der Stadtraum inklusiver wird, dann profitieren noch viel mehr Menschen davon, wie z.B. Mütter mit Kinderwagen und Senior*innen mit Rollator. Bei Piktogrammen und Sprachführung profitieren auch Menschen mit Lernschwierigkeiten, oder die nicht gut lesen können. Da steckt viel Potenzial für eine offene Willkommenskultur aller Menschen, die in Berlin leben.

Außerdem wünsche ich mir, dass der Jahnsportpark weiterhin ein grüner Ort bleibt. Hohe Bäume, die Schatten spenden, findet jeder Mensch angenehm und fühlt sich wohl. Die im Moment noch reichlich vorhandenen Schotter- und die zubetonierten Flächen sollten aufgebrochen werden, damit noch mehr Grünflächen entstehen können. Klimaschutz und Sport stehen in keinem Widerspruch zueinander.

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Text+Fotos: Julia Schonlau

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